Chinesisches Neujahr

Am 28.01.2017 ist es wieder soweit - das chinesische Neujahr 2017. Es ist das Jahr des Hahnes.

Wer geschäftlich mit China zu tun hat, weiss, dass in der Woche vor und nach Neujahr keine Verträge geschlossen werden. Manche Büros sind in diesen Tagen kaum besetzt, denn das Personal ist meist auf dem Weg nach Hause zu den Eltern, die nicht in den Stadtzentren wohnen. Flugzeuge, Bahnen, Büsse sind seit Monaten im voraus ausgebucht, sowohl die inländischen aus auch ausländischen Flugverbindungen. Wer nach China reisen will, sollte die Zeit um das Chinesische Neujahr auch wegen der hohen Flugpreise meiden. 

Das Neujahrsfest wird in China auch als Frühlingsfest genannt. Der Neujahrstag richtet sich nach dem Mondkalender und fällt von Jahr zu Jahr unterschiedlich auf einen Tag zwischen dem 21. Januar und 21. Februar.

Ursprünglich wurde das Neujahrsfest im 16.-21. Jahrhundert vor Christus kurz nach der Wintersonnenwende als eine Opferzeremonie gefeiert. Da der Zeitpunkt auf den Frühlingsbeginn fällt, wird das Neujahrsfest auch als Frühlingsfest bezeichnet. 

Das Fest war eine Art Erntedankfest für die Segnungen der Götter und Bitte für reiche Ernten. 

Ein jedes Fest verlangt gute Vorbereitungen. So ist die Hausfrau Tage vorher mit Einkäufen für das Festessen beschäftigt. Das Gemüse, Fleisch, Stoffe und Schuhe sind in diesen Tagen besonders teuer. Als man es sich nur einmal im Jahr neue Kleider und Schuhe leisten konnte, hatten Schuster und Schneider in den Monaten vor dem Neujahr Hochkonjunktur. Und so kursierte unter jungen Frauen der Spruch, bloß keinen Schuster zu heiraten, da sie den Rest des Jahres nichts zu tun hätten. Im Vergleich haben wir es alle inzwischen viel besser, oder? 

Neue Kleider wurden von Mutter für die ganze Familie genäht oder beim Schneider bestellt. Bis vor etwa 30 Jahren war es in China noch Gang und Gebe, seine Kleider beim Schneider auf Maß schneidern zu lassen. In einigen Ländern Asiens ist die maßgefertigte Einzelanfertigung noch immer üblich, zumal die Lohnkosten für die handwerklichen Berufe noch relativ niedrig sind. Ob Muss oder Brauch, da bin ich mir nicht sicher, alle tragen Personen am Neujahrstag nagelneue Kleider.

Ein ausgiebiges Bad am Sivestertag gehört auch dazu. Ausgiebig auch deshalb, weil das Badewasser zu diesem Zweck mit Limonenblätter gekocht wurde, das so herrlich duftet. Das spezielle Badewasser solle nach Volksmund das Alte, Schlechte vom Vorjahr wegwaschen. Während die älteren Geschwister die jüngeren beim Waschen helfen, ist die Mutter mit der Oma, die früher noch im gleichen Haushalt lebt, mit dem Kochen beschäftigt. Denn bevor gefeiert wird, müssen die Götter und Ahnen erst satt essen, damit sie wohl gelaunt die Familie auch im kommenden Jahr schützend begleiten. Eine wichtige Speise ist der Neujahrskuchen aus Reismehl in runder Form, dekoriert mit einer roten Dattel. Wenn der Neujahrskuchen besonders gut gelungen ist, freut sich die Hausfrau und assoziiert damit Glück im nächsten Jahr. Die runde Form ist an den runden Spiegel angelehnt, der oft für wichtige religiöse Rituale verwendet wurde. Spiegeln gelten als ein Ort, wo Götter wohnen. So sind die Reiskuchen wie ein alter runder Spiegel geformt, um das neue Jahr zusammen mit den Göttern zu feiern.

Oben auf dem Reiskuchen ist eine Art rote Dattel, die Ahnen und Generationen symbolisiert. Es stellt den Wunsch nach Wohlstand der Nachkommen über Generationen dar. 

Das Haus wurde seit Tagen geputzt und mitunter auch Wochen vorher neu gestrichen. Ein dekorativer und dennoch preiswerter Brauch sind die meist roten Scherenschnitte, die an die Fenster, Türen und Wände geklebt werden. Diese Scherenschnitte kann man für wenig Geld kurz vor dem Neujahrsfest wie die hiesigen Weihnachtskugeln auf dem Markt kaufen. Sie stellen Blumen, Schriftzeichen vom Glück und Wohlstand, Fische, Vögel und andere dekorative Elemente dar. 

Dann sind da noch die roten ca. 20x60cm großen Papierstreifen, die mit Pinsel und schwarzer Tusche beschrieben werden. Es sind Glück bringende Verse und Wünsche der Familie als Botschaft an die Götter und Ahnen, die vor den Türen und in den Zimmern an die Wand angebracht werden. 

Mit jedem Akt der Festvorbereitung wird die Vorfreude auf das Neujahrsfest immer größer. Am meisten freuen sich die Kinder, die am Neujahrstag von den Eltern und allen älteren verheirateten Verwandten rote Umschläge mit Geldscheinen darin bekommen. Kinder singen zwar keine Weihnachtslieder oder sagen keine Weihnachtsgedichte auf, aber sie müssen, um diese Geldumschläge zu bekommen, den Neujahrsgruß übermitteln und einen Glück verheißenden Spruch jeder einzelne Person sagen. 

Wenn Sie die Gelegenheit haben, in China während des Neujahrs zu sein, dann besuchen Sie doch Ihre chinesischen Freunde und lassen sich von der Feierstimmung anstecken. Wir wünschen zum Jahr des Hahnes viel Erfolg, Gesundheit und Frieden auf dieser Welt.