Seit dem 1. Januar 1873 wurde die japanische Zeitrechnung im Zuge der Meiji-Restauration auf den gregorianischen Kalender mit einigen Besonderheiten umgestellt. Davor ähnelt die Zeitrechnung dem chinesischen Kalender. Und so feiert man in Japan seitdem Neujahr auch am 01. Januar. 

Silvester - Omisoka (大 晦 日)

Omisoka ist der japanische Ausdruck für Silvester. Um das neue Jahr mit einem neuen frischen Geist zu beginnen, kommen Familien und Kinder zusammen, um das ganze Haus durch eine große Reinigung aufzuräumen. Manch einer streicht auch die Wohnung einen Monat vorher mit neuer Farbe, alte Möbel werden entrümpelt und die Tatami-Matten werden durch eine neue frische Grasschicht vom Tatami-Macher neu aufgemöbelt. Die letzten Tage des alten Jahres werden dann benutzt, Vorbereitungen für das Neujahrsessen und die spezielle Neujahrsdekoration für den Neujahrstag zu treffen. 

Joya no Kane (除 夜 の 鐘)

Um Mitternacht am Silvesterabend klingen in ganz Japan die Glocken am stillen Himmel monoton ca. 1-2 Stunden. Diese buddhistische Tradition heißt Joya no Kane und ist eines der wichtigsten Rituale des Jahres für buddhistische Tempeln. Auch in kleinen Dörfern Japans, kann man den Klang der Glocken hören, denn es gibt überall Tempeln in Japan. Diese Glocken ertönen genau 108 Mal, genau die wie 108 Perlen einer buddhistischen Gebetskette. Im Buddhismus wird angenommen, dass der Mensch durch 108 Arten irdischer Wünsche und Gefühle geplagt wird, als da wären Zorn, Leidenschaft und Eifersucht. So soll jeder Schlag der Glocke eine dieser Plage von uns entfernen. Das chinesische Zeichen,Kanji, Jo (除) bedeutet das Alte wegzuwerfen und auf das Neue zuzugehen Ya (夜)bedeutet Nacht. So ist es die perfekte Nacht, um Ihr altes Selbst hinter sich zu lassen und das Neue Jahr mit neuen Vorsätzen und einem klaren Kopf zu beginnen. 

Toshikoshi-soba (年 越 し 蕎麦)

Die Tradition des Verzehrs von Soba (japanische Nudeln) am Silvesterabend soll in der Edo-Ära (1603-1868) gebräuchlich geworden sein. Wenn Soba hergestellt wird, wird der Teig in einer langen und dünnen Form gedehnt und geschnitten, die ein langes und gesundes Leben darstellen soll. Interessanterweise, da Soba im Vergleich zu anderen Arten von Nudeln in langen Streifen geschnitten wird, symbolisiert das Soba-Nudeln-Essen auch den Wunsch, all das Unglück des alten Jahres wegzuschneiden, um das neue Jahr erfrischt beginnen.

Kadomatsu (門 松)

In Japan ist es gebräuchlich, in den letzten Tagen des alten Jahres und den ersten Tagen des neuen Jahres eine grüne Dekoration aus Kiefern-, Bambus- und Pflaumenbäumen vor japanischen Häusern und Büros zu haben. Diese heißt „Kadomatsu“. Man vermutet, dass diese Blumendekoration in der Zeit von Weihnachten bis zum 7. Januar vorübergehend der Ort der Unterkunft für die Gottheiten ist, bei den man um eine große Ernte und Segen von den Vorfahren der Familie bitten will. Kiefer-, Bambus- und Pflaumenbäume symbolisieren Langlebigkeit, Wohlstand und Robustheit.

Hatsumode (初 詣)

Nach dem gemeinsamen Frühstück am Neujahrstag geht man üblicherweise zum Tempel. Hatsumode ist der erste Besuch eines Schreins oder Tempels in den ersten Tagen des Januars, wo Familie und Verwandte für ein glückliches Jahr zusammen beten. Einige der beliebtesten Schreine und Tempel organisieren Festlichkeiten mit Ständen, die Lebensmittel verkaufen, (Wahrsagerei-Streifen Papier für die Zeichnung) und Glücksbringer, um für Sicherheit, Wohlstand der Nachkommen, gute Prüfungsergebnisse, Liebe und Reichtum zu wünschen. Der ganze Tempel war in diesen Tagen vom Rauch der unzähligen Räucherstäbchen vernebelt und ließ alle Besucher weinend aus den Tempeln kommen. Um dem Abhilfe zu schaffen, ist es seit einigen Jahren üblich, die Räucherstäbchen anzuzünden und diese wieder gleich auszumachen, nachdem sie in die Räucherschale gesteckt wurden. Das Ausmachen wird von der Tempelleitung organisiert.

Nengajo (年 賀 状)

Nengajo bezeichnet eine besondere Art von Postkarte, die Japaner an ihre Freunde und Bekannte als eine Form der Begrüßung am Ende des Jahres senden. Dieser Brauch ähnelt der Tradition bei uns, Weihnachtskarten zu schicken. Sie werden in der Regel am 1. Januar von der Post zugestellt.

Nengajo beginnen in der Regel mit einem Standard-Satz Akemashite Omedeto Gozaimasu (Happy New Year) und Kotoshi mo Yoroshiku Onegaishimasu (Vielen Dank für all Ihre Unterstützung für dieses Jahr im Voraus.) Darüber hinaus neigen die Menschen zu schreiben, wie es ihnen geht und oder welche Vorsätze sie für das neue Jahr haben. 

Aber Grüße an die Freunde sind nicht der einzige Zweck von nengajo. Alle nengajo-Postkarten haben auch Lotterie-Nummer, und wenn sie geliefert werden, können die Inhaber der Gewinnzahlen verschiedene Preise bekommen. Meistens sind es teure Gegenstände, Fahrkarten und elektronische Geräte. Im digitalen Zeitalter senden viele die Neujahrspostkarte auch per E-Mail oder SMS.

31.12.2016