Wenige Wochen nach dem chinesischen Neujahrsfest, das auch Frühlingsfest genannt wird, kommt der meteorologische Frühling nach Japan und China.

Die ersten Jasminblumen spiegeln sich im Teich und junge Studentinnen lesen ihre Bücher wieder bei Tageslicht im Freien. 

Für die Bauern bedeutet der Frühlingsanfang auch, dass sie ihre Felder jetzt bestellen. in vielen Ländern Asiens wird jetzt Reis angebaut, so auch in Japan und China, wo Reis das Grundnahrungsmittel ist. 

Wer in Japan war oder hier in einem authentischen japanischen Restaurant gegessen hat, dem ist sicherlich aufgefallen, dass der japanische Reis anders aussieht und anders schmeckt. Dieser ist nämlich ein Rundkornreis anstatt eines Langkornreis oder Bruchreis. Die Reiskörner sind größer und der Reis ist in seiner Konsistenz klebriger, was für Sushi unabdingbar ist. Des weiteren ist manchen vielleicht auch aufgefallen, dass der japanische Reis besser schmeckt. Dies kann man auch erwarten, wenn hier ein 5-kg Sack original in Japan angebauter Reis um die 35 - 40 € kosten, während der Jasmin-Duftreis aus Thailand bei gleicher Menge nur 10 € kostet. 

Wenn der Reis nicht schmeckt, ist das ganze Essen zu vernachlässigen, so ungefähr ist der allgemeine Tenor in Japan. Es kommt für die meisten Japaner daher kaum in Frage, für die japanische Küche ausländischen Reis zu verwenden. Auf kleinen Feldern wird der Reis in Japan angebaut, der dann über die Dachorganisation Japan Agricultural Cooperatives Group, auch JA-Zenchu genannt, vertrieben wird. 

Sie sorgt auch dafür, dass der Lebensmittelmarkt in Japan abgeschottet und die Preise für japanische Lebensmittel möglichst auf hohem Niveau bleiben. Ein Instrument der Abschottung ist der immens hohe Importzoll. Wer Reis nach Japan exportieren will, muss auf den Einfuhrwert 778 Prozent Zoll bezahlen. Ausnahme von der Regelung haben Australien und die USA erreicht. Diese beiden Länder dürfen bis zu 78.000 Tonnen Reis nach Japan zollfrei exportieren. 90% seines jährlichen Reiskonsums werden in Japan über die eigene Produktion gedeckt. 

Nicht weniger gehuldigt ist der Reis in China, nein sogar von historischem Wert war der Reis für China und seine Geschichte. Wissenschafter haben den Mörtel von der chinesischen Mauer untersucht und festgestellt, dass in dem Mörtel der Reisklebstoff enthalten ist, der beim Kochen von Reis entsteht. Die Bauleute im alten China haben beim Bau der chinesischen Mauer klebrigen Reis in den Kalkmörtel gemischt und so die Stabilität der Bauwerke erhöht. Diese besondere Kalkmischung ist fester und widerstandsfähiger als herkömmlicher Kalkmörtel, berichten die Forscher. 

Vom Reis gibt es weltweit etwa 8.000 verschiedene Sorten, die je nach Sorte auf sumpfigem, feuchtem bis überschwemmten Boden angebaut werden. Manche Sorten werden auf trockeneren Feldern oder an Berghängen angebaut, die aber weniger ertragreich sind. Dafür sollen diese Reissorten besonders schmackhaft sein. Aus einem einzigen Saatkorn Reis können bis zu 3.000 Körner reifen. Je nach Sorte, Anbauart und Anbaugebiete sind pro Jahr bis zu 3 Ernten möglich. Das wusste schon eine alte Bauernregel: Ist es an Valentin noch weiss, blüht an Ostern schon der Reis. 

In Asien wird der Reis zu vielen Gerichten und Speisen verwendet, als Beilage einer Hauptmahlzeit und aus Reismehl werden viele Süßspeisen gemacht. Der japanische Kuchen Mochi wird aus Reismehl zubereitet. Reis wird also warm und kalt gegessen.

Reis oder Leis? In der japanischen Phonetik gibt es den Buchstaben R, aber nicht L. Allerdings werden Wörter mit R nicht wie in der deutschen Sprache im Mundrachen erzeugt, sondern eher vorne hinter den Vorderzähnen. Der Buchstabe R in der japanischen Aussprache hört sich an wie eine Kombination von R und L, was dazu führt, dass Japaner aus Gewohnheit den englischen / deutsche Buchstaben R in der ihnen gewohnten Aussprache fast ein ein L aussprechen. Wenn wir genau hinhören, so kann man bei dem Wort Reis mit japanischem Akzent nicht richtig erkennen, ob das Wort als Reis oder Leis ausgesprochen wird. Ist aber irgendwo ganz niedlich, oder?